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Lesbisches Paar auf einer Bank

Lesbian Lifestyle - ist das so außergewöhnlich?


Folgend werden die persönlichen Erfahrungen und Meinungen eines unserer Mitglieder von Viamor.de wiedergegeben...

Lesbian Lifestyle, was soll das überhaupt sein? Viele haben sofort ein Klischee vor Augen, wenn sie von einem lesbischen Paar hören. Auch wenn es von Jahr zu Jahr einfacher und selbstverständlicher wird, auch als lesbian Couple zu leben, so gibt es dennoch immer noch viele Vorurteile. 

Genau davon und von den typischen lesbian Sprüchen und unserem Alltag, der sich im Übrigen gar nicht so sehr von einem "normalen" Beziehungsalltag unterscheidet, möchte ich heute ein bisschen erzählen.

Leben als lesbian Couple - Klischees und Vorurteile


Das Gute an der heutigen Aufgeklärtheit ist, dass die Mitmenschen nicht mehr allzu peinlich berührt sind sobald sie herausfinden, dass es sich bei uns um ein lesbian Couple handelt. Und vielleicht haben es wir als Lesbians bedeutend einfacher, als unsere homosexuellen, männlichen Kollegen.

Hier kann man auch heute noch starke Berührungsängste spüren. Es beginnt beim typischen Männerabend und endet längst nicht beim gemeinsamen Duschen nach dem Sport. Hier sind hetero Männer oft sehr zimperlich und haben irgendwie Angst, dass sie plötzlich auch für schwul gehalten werden.

Doch auch bei uns Lesbians ist es so, dass viele Frauen immer auf der Hut sind, ob sie nicht von uns angeflirtet werden. Doch bei uns lesbian Frauen ist es auch nicht anders als bei allen anderen. Natürlich flirten auch wir gerne, doch auch nicht um jeden Preis. Und nein, wir Lesbians wollen nicht jede Frau davon überzeugen, dass der lesbian way of life der bessere ist.

Ebenso nervig ist manchmal die Bezeichnung lesbian selbst. Warum muss man allem immer einen Stempel aufdrücken und alles in eine Schublade stecken? Lesbian, gay, schwul oder homo - wir alle lieben und wir lieben den Menschen. Zufällig sind es bei uns Lesbians halt Frauen, an die wir unser Herz verschenken.

Lesbian Couples - FAQs - häufig gestellte Fragen


Eigentlich ist es ja lustig, denn sobald jemand erfährt, dass wir ein lesbian Couple sind, kommen garantiert Fragen wie diese. Je nach Tagesverfassung muss ich darüber lachen, ärgere mich, bin traurig oder empfinde es einfach als übergriffig. Einem stinknormalen Hetero-Paar würde man nie so intime Fragen stellen. Noch dazu, wenn man sich noch nicht einmal richtig kennt.

Hier habe ich nun meine Hitliste dieser typischen FAQs:

"Was? Du bist eine Lesbian? Das sieht man dir ja gar nicht an." Da muss ich meist direkt schmunzeln und frage retour, wie denn eine typische lesbische Frau in deren Augen aussehen soll.

Meist ernte ich dann eine Entschuldigung oder verlegenes Stammeln. Oft aber wird dann tatsächlich das typische Klischeebild einer Lesbian beschrieben. In den Augen so vieler sehen Lesbians wie Tom Boys mit kurz geschorenem Haar aus. Echte Lesben sind nicht geschminkt, reden und benehmen sich wie Männer und haben auch eine absolut unweibliche Figur.

Aber man glaubt es kaum, auch wir machen uns gerne hübsch, schminken uns und ziehen uns dem Anlass entsprechend sportlich, elegant, casual oder auch sexy an. Vielleicht sollten alle hier ein bisschen mehr Feingefühl zeigen. Das würde ich mir wünschen.

"Wer ist denn bei euch der Mann und wer ist die Frau?" Diese Frage lässt mir meist die Nackenhaare aufstehen und tatsächlich ist es eine der Fragen, die immer kommt - vorwiegend von Männern.

Die würden dann auch tatsächlich gerne wissen, wie wir uns auf erotischer Ebene begegnen und wie das genau bei uns geht. Ja hallo. Mir würde es nie einfallen, dass ich einen beinahe fremden Menschen zu seinen sexuellen Vorlieben ausfrage und vehement nachbohre, welche Stellungen denn so genau bevorzugt sind.

Hier schalte ich dann gerne in einen Modus, als würde ich mit einem Kleinkind reden. Ich erkläre, dass es sich bei einem lesbian Couple um zwei Frauen handelt, und da kein männlicher Part eine Rolle spielt.

Und natürlich gibt es lesbische Frauen, die gerne ihre männliche Seite hervorkehren, oder die sehr maskulin wirken. Doch es gibt auch genügend heterosexuelle Frauen, die raspelkurze Haare tragen, keinen Busen und keinen Popo a la Kardashian haben.

Generell leben wir aber als zwei Frauen zusammen und sind uns unserer Weiblichkeit auch absolut bewusst. Wir sind sogar sehr stolz darauf, dass wir Frauen sind. Wir haben keine Probleme mit unseren Körpern, jedenfalls nicht mehr oder weniger, als andere Frauen auch.

"Seit wann hast du bemerkt, dass du Männer hasst?" Das ist mir auch unerklärlich, wie viele zu dieser Annahme kommen. Nur weil ich in eine Frau verliebt bin, bedeutet dies doch nicht, dass ich Männer hasse. Sie sind lediglich für mich sexuell und emotional nicht so anziehend. Aber einige unserer besten und engsten Freunde sind Männer.

Auch eine heterosexuelle Frau verliebt sich nicht in jeden Mann, der ihr über den Weg läuft. Jede Frau hat ihr Beuteschema und einen individuellen Geschmack, wenn es zur Wahl des Partners kommt. Und bei uns ist es nicht anders. So wie manche Mädels von braungebrannten Latino Typen schwärmen, gefallen mir blonde Frauen mit langen Haaren besonders gut. Obwohl ich generell immer sage, man verliebt sich in den Menschen und nicht in die Optik oder das Geschlecht.

Doch so ehrlich muss man auch sein, das Aussehen ist nun einmal das erste, das ins Auge sticht. Erst während der folgenden Gespräche findet man heraus, ob der Charakter genauso wunderschön ist, wie die Person selbst. Das ist aber überall gleich und beschränkt sich nicht nur auf lesbische Paare.

"Es ist doch unnatürlich, dass ihr euch ein Kind wünscht." Diese Aussage finde ich geradezu frech. Jede gesunde Frau hat die Anlagen, Kinder zu bekommen. Das hat nichts damit zu tun, welche sexuellen Präferenzen sie hat.

Auch wir haben eine biologische Uhr die tickt und auch wir sehnen uns nach einer Familie. Und wenn diese Familie auch aus Kindern bestehen soll, warum nicht? Ich denke, es gibt wahrlich schlechtere Eltern als mich und meine Lebensgefährtin.

Und nein, wir haben keine Angst, dass unserem Kind eine männliche Bezugsperson fehlt. Wie viele Frauen gibt es, die ihre Kinder ebenfalls alleine und ohne Mann aufziehen und nicht, weil sie lesbisch sind, sondern weil sie sich einfach mit dem Kindsvater nicht mehr verstehen.

Ich weiß, dass ich mich nicht rechtfertigen müsste. Aber dennoch betone ich gerne, dass auch Kinder von lesbischen Paaren Kontakt mit männlichen Vorbildern haben. Viele haben Brüder, fast alle haben Väter, Onkel oder männliche Freunde, die den Kindern als männliche Bezugsperson dienen können.

Am wichtigsten ist es doch, dass die Kinder geliebt und umsorgt aufwachsen. Und wie es zum Nachwuchs in einer lesbischen Beziehung kommt, das sollte immer noch die private und persönliche Entscheidung der Paare selbst sein. 

Mehr Toleranz für lesbische Paare


Ich versteh durchaus, dass unser Lebensstil vielleicht nicht ganz alltäglich ist. Und ich kann mir auch vorstellen, dass es für manche Männer sexy sein mag, wenn sie an sexuelle Praktiken zweier Frauen denken. 

Ich wünsche mir jedoch in Zukunft, dass alle etwas mehr nachdenken, bevor sie solche Fragen stellen. Stellt euch diese Frage einfach zum Test auf eure Beziehung umgewandelt. Würdet ihr euch wohl fühlen, wenn euch jemand so intime Fragen stellt?

Wie würdest du dich fühlen, wenn Wildfremde sich Gedanken über deine sexuellen Praktiken macht oder anzweifeln, dass du dein Kind vernünftig erziehen kannst? Ich habe durchaus kein Problem über meine Beziehung und die Liebe zu meiner Partnerin zu sprechen. Nur sollte bei aller Neugierde auch die Privatsphäre respektiert werden.